CL Anwendungen bei der FFH-Verträglichkeitsprüfung
Es sind unterschiedliche Methoden zur Ermittlung der Critical Loads für eutrophierenden Stickstoff hinsichtlich der Auswirkungen auf FFH-Lebensraumtypen und -Arten gegenwärtig in Anwendung:
Empirische Critical Loads
Bei den empirischen Ansätzen werden auf Erfahrungen und Felduntersuchungen beruhende Grenzwerte einem Ökosystemtyp zugewiesen. Achermann & Bobbink (2003) stellten die Ergebnisse von empirischen Studien zusammen, die zumeist relativ kurze Zeiträume in den letzten Jahren umfassen und die zum überwiegenden Teil in westeuropäischen Ländern (Groß Britannien, Niederlande, Schweden, Finnland) gemacht wurden. Diese Studien erfassen keine Ökosysteme, die mit Sicherheit über sehr lange Zeiträume von anthropogenen Einträgen unbeeinflusst geblieben sind. Insbesondere den Wald-Ökosystemtypen sind breite Spannen von CL zugeordnet. Diese „Berner Liste“ ist Bestandteil der Vollzugshilfe zur Erheblichkeitsprüfung von N-Einträgen des Landesumweltamtes Brandenburg (LUA BB 2005).
Biologisch-effektorientierte Massenbilanz-Methode
Um ökologische Zusammenhänge bei der Ermittlung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen zur Bestimmung von ökologischen Belastbarkeitsgrenzen einzubeziehen, wurde bei ÖKO-DATA das BERN-Modell (Bioindikative Ermittlung der Regenerierungspotenziale von Naturräumen) entwickelt (Schlutow und Hübener 2004). Bereits auf dem Expertentreffen 2002, auf dem die Liste der empirischen Critical Loads erarbeitet wurde, fand die Konzeption für das BERN-Modell große Aufmerksamkeit und Eingang in die Workshopdokumente: „In Zukunft sind die empirischen Critical Loads im Zusammenhang mit dem biologisch-effektorientierten Massenbilanz-Modell anzuwenden“. Inzwischen hat das Modell in verschiedensten Genehmigungsverfahren seine Praxistauglichkeit und rechtliche Belastbarkeit bewiesen.
[1]Eine erste gerichtliche Würdigung (von inzwischen mehreren) erfuhr das BERN-Modell im Vergleich zur Anwendung von empirischen CL im Verfahren zum Vorhaben Westumfahrung Halle: In seinem Urteil vom 17.01.2007 (Westumfahrung Halle, 9 A 20.05, Rn. 109) hatte der 9. Senat des BVerwG hinsichtlich der möglichen Gefährdung von Lebensraumtypen eines FFH-Gebietes (LRT) durch verkehrsbedingte Immissionen die Forderung aufgestellt, dass diese differenziert festgestellt werden müsse. Es sei grundsätzlich die beste wissenschaftliche Methodik nach dem neuesten Erkenntnisstand anzuwenden. Damit wurde das auf dem BERN-Modell beruhende Gutachten zum genannten Vorhaben präferiert.
